Von Theresia Wildfeuer
Rathsmannsdorf. Eine Ausstellung ausdrucksstarker,
farbenreicher, expressionistischer Bilder von Hannelore G. Pritzl
aus Salzweg und Doris Ida Kohlbacher aus Passau, die auch Skulpturen
zeigt, hat Anton Schmid, Vorsitzender des Fördervereins Alte Kirche
St. Ulrich in Rathsmannsdorf unter dem Thema „Traum und
Wirklichkeit“ eröffnet. Die Laudatoren MdL Gerhard Waschler und
Robert Reschkowski, Ausstellungskurator in Düsseldorf, würdigten auf
der Vernissage die Werke der Künstlerinnen.
„Zwischen Traum und
Wirklichkeit“, der Titel einer Arbeit von Doris Ida Kohlbacher, sei
ein Thema, das seit der Antike die Menschen bewege, sagte Gerhard
Waschler vor rund 50 Kunstfreunden aus Stadt und Landkreis, darunter
Regierungsdirektor Klaus Froschhammer, Georg Krenn, Bürgermeister
von Vilshofen und Künstlern. Das Thema komme in der Odyssee und
griechischen Mythologie, in Märchen oder Fantasy-Geschichten bis hin
zu Harry Potter sowie in Musik, Schauspiel oder Film zum Ausdruck.
Doris Ida Kohlbacher will
mit ihren Exponaten zu neuen Gedankenwegen inspirieren, Lebensfreude
und Kraft vermitteln, wie Paul Klee das Unsichtbare sichtbar machen.
Sie lasse sich dabei von ihrer Vorstellung von Harmonie und Ausdruck
leiten, erläuterte Waschler. Kennzeichen ihres Erfolgsrezepts sei,
diese in Formen und Farben zu verdeutlichen. Hannelore G. Pritzl
überlässt dagegen nichts dem Zufall. Wie Paul Cezanne sieht sie die
Natur als Harmonie, die parallel zur Natur verlaufe. Für sie sei
Malen einer der vielen Wege zur Kommunikation, unterstrich Waschler.
Er hob die Vielfalt an künstlerischem Ausdruck hervor.
Waschler gratulierte den
Künstlerinnen zu ihren gelungenen Werken und betonte das Engagement
der Veranstalter. Landrat Franz Meyer, der die Ausstellung bereits
vorher besichtigte, habe sich ausdrücklich zum Kulturstandort
Rathsmannsdorf bekannt, versicherte Waschler. Kulturförderung sei
dem neuen Landrat und auch ihm ein wichtiges Anliegen. Aus dem
Kulturfonds für Niederbayern flossen in den vergangenen zehn Jahren
rund acht Millionen Euro an Fördermitteln in die Region.
Robert Reschkowski nannte
es eine „besondere Freude“, eine Vernissage „in diesem sakralen Ort,
einer säkularisierten Kirche, die immer noch etwas Sakrales
ausstrahlt“ zu gestalten. Er sah in den Bildern von Hannelore Pritzl,
die als Sujet Klavier, Geige oder Noten verwendet, Elemente des
Kubismus, einer Stilrichtung der modernen Malerei im frühen 20.
Jahrhundert. Auch Doris Ida Kohlbacher stehe mit ihrer Kunst in der
Tradition des Expressionismus, eine der wichtigsten Strömungen des
20. Jahrhunderts und Gegenbewegung zum Impressionismus, die Form und
Farbe befreit habe. Expressionistische Künstler seien wie Doris Ida
Kohlbacher von inneren seelischen Kräften und Emotionen bewegt. Bei
ihr begegne den Betrachtern das Ineinandergreifen von Hell und
Dunkel, Spitzem und Stumpfem, Mann und Frau, eine kraftvolle
Dynamik, wie sie auch bei gotischen Kirchenfenstern zu finden sei.
Ihre Kunst bewege und tröste. „Ihre Bilder ergreifen uns und
selbstvergessen hängen wir unseren Träumen nach“, sagte der
Laudator. Auch der Ausstellungstitel sei glücklich gewählt, lobte
Reschkowski. Vieles beginne mit einem Traum. Gerade Künstler
bedienten sich der Traumsymbolik. Sie seien die Schnittstelle
zwischen Traum und Wirklichkeit. Doris Kohlbacher und Hannelore
Pritzl versuchten in ihrer Kunst den Spagat zwischen Wirklichkeit
und märchenhaftem Traumgeschehen. Er unterschied zwischen dem
Wirklichen, Realen und dem Idealen.
Kunst kenne keine
Grenzen, sagte Anton Schmid, Vorsitzender des Förderkreises Alte
Kirche St. Ulrich in Rathsmannsdorf. Sie sei wie ein Netzwerk, das
Freunde über die Grenzen hinaus verbinde. Didier Hitthaler umrahmte
die Vernissage mit musikalischen Beiträgen am Keyboard. Die
Ausstellung ist bis 22. Juni jeweils samstags und sonntags von 14
bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (
08546/10
18
)
zu sehen.